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Weitere Argumente gegen die B26n (Archiv)

aut Botanischem Institut der Uni Würzburg werden auch heimische Heilpflanzen längst nicht in vollem Umfange pharmazeutisch genutzt. Viele Bestände in den bisherigen Lieferländern sind längst übernutzt, so dass den heimischen Beständen große Bedeutung zukommt. Viele wertvolle Heilkräuter wachsen übrigens auf den typischen Trockenrasen, die eine Autobahnspange um Würzburg unter sich begraben soll. Ortsumgehungen können dagegen in diesbezüglich unproblematischen Bereichen realisiert werden.

Bodenversiegelung (lt. MP vom 7. 6. 08, S. 33)
Viele unterfränkische Gemeinden haben einen Versiegelungsgrad – ohne die Flächen von Wohnbau und Gewerbegebieten – von über 50 Prozent; es sind in Unterfranken je Einwohner 351 Quadratmeter gegenüber 190 Quadratmeter in Oberbayern. Die landwirtschaftliche Fläche ging in Bayern in den vergangen 50 Jahren um fast eine halbe Million Hektar zurück – das sind knapp 10 000 Bauernhöfe heutiger Durchschnittsgröße in unserer Gegend.

Landschaft

Die Essgewohnheiten in den Entwicklungsländern ändern sich: sie „entwickeln“ sich im wahrsten Sinn des Wortes, nämlich hin zu Fleisch statt Gemüse, was den dreifachen Flächenbedarf für die Erzeugung derselben Kalorienmenge bedingt.

Konsequenz: Landwirtschaftliche Fläche wird weltweit knapp, und wir in Deutschland tun so, als gehe uns dies nichts an. Wir vernichten mit einer unnötigen Autobahn ein Gebiet von der Größe, auf dem vier bis fünf Bauernhöfe stehen könnten.

Wandern steigert das Wohlgefühl (lt. MP vom 7. 6. 08, S. 61)
Wie sich ein Wanderurlaub auswirkt, untersuchte die Sporthochschule Köln. Ergebnis: während vor dem Wandern nur 30 Prozent der Befragten ihren Gesundheitszustand mit „gut“ bewerteten, waren es danach 51 Prozent. Im Gegensatz dazu kommen viele Autourlauber gestresster zurück als sie abreisten.

Neuer Trend: Öffentlicher Nahverkehr am Urlaubsort (lt. MP vom 7. 6. 08, S. 591)
Im Schwarzwald bieten 6000 Gastgeber mit der KONUS-Gästekarte freie Fahrt in Bussen und Bahnen in der gesamten Region an. Und dieses Beispiel macht Schule: In den „Alpine Pearls“, einem Zusammenschluss von 22 Orten in Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, der Schweiz und Slowenien, wird den Urlaubern umweltfreundliche Mobilität im öffentlichen Nahverkehr sowie mit Shuttle-Taxis, Elektroautos und Elektrofahrrädern angeboten.

Landwirtschaftliche Fläche wird weltweit knapp, und wir in Deutschland tun so, als gehe uns dies nichts an.

Zusätzliche Argumente und Begründungen
Ein umwelttechnisch für die Stadt Würzburg äußerst empfindlicher Bereich sind die Zeller Quellen. Für die B26n ist eine Auffahrt bei Hettstadt geplant. Dann würde ein beträchtlicher Teil des Zubringerverkehrs zu dieser Anschlussstelle über die Hettstadter Steige rollen, insbesondere Schwerverkehr, der aus Lärmschutzgründen nicht durch Höchberg fahren darf. Damit entstünden für das Würzburger Wasser erhebliche Gefährdungen.

In einem Artikel in der ADAC-Motorwelt 10/2008 (Oktober) weist der Automobilclub darauf hin, dass Carsharing, also die gemeinsame Verwendung von Autos, für alle Pkw-Benutzer sinnvoll ist, die jährlich nicht mehr als 10.000 Kilometer fahren. Würde die Politik diese Mobilitätsidee durch gesetzliche Rahmenbedingungen unterstützen, könnten sich viele Verkehrsteilnehmer dafür entscheiden. „Danken werden es diejenigen, die auf ein Privatfahrzeug angewiesen sind und aufgrund einer auch durch Carsharing bewirkten geringeren Fahrzeugdichte stau- und stressfreier unterwegs sind“, heißt es wörtlich. Konsequenz für den Straßenbau: Weniger Verkehr erforderte weniger Straßenneubau und besseren Erhalt der vorhandenen Verkehrswege mit Hilfe der frei gewordenen Mittel.

Eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen würde nicht nur den Kraftstoffverbrauch wesentlich verringern und damit die knappen fossilen Ressourcen schonen, sondern auch die Verkehrssicherheit erhöhen sowie den Verkehrsfluss verbessern. Denn bei gleichmäßigem Tempo passen auf einen Straßenabschnitt mehr Autos als bei unterschiedlicher Geschwindigkeit. In der Praxis würde dies bedeuten, dass die vorhandenen Verkehrswege ausreichen und teure, umweltschädigende und kulturzerstörende Neubauten überflüssig wären.

Über 80 Prozent der deutschen Autofahrer befürworten ein Tempolimit auf den Autobahnen. Diese Ansicht wird sich noch erhöhen, wenn Elektroautos am Verkehr teilnehmen. Denn diese können allein schon aus Gründen der Batteriekapazität und der damit verbunden Reichweite keine hohen Geschwindigkeiten fahren. Geringeres Tempo erfordert jedoch weniger Straßenraum, weil mehr Autos auf die vorhandenen Strecken passen. Damit sinkt der Bedarf an Autobahnneubauten.

„Güter auf die Bahn!“
ist nicht nur ein Argument von Bahnlobbyisten. Auch 86 Prozent der Verbraucher schätzen den Gütertransport auf der Schiene als „besonders schadstoffarm“ ein: Während die Beförderung per Lkw für 83 Prozent als „eher umweltschädlich“ gilt und damit sogar kritischer bewertet wird als der Warentransport per Inlandsflug, dem 80 Prozent negative Folgen für die Umwelt bescheinigen. Eine Leistungssteigerung des Bahnverkehrs würde den Neubau von Autobahnen überflüssig machen. Das eingesparte Geld könnte für Lärmschutzmassnahmen an Bahnstrecken und am rollenden Material verwendet werden und dadurch die Umwelt zusätzlich entlasten.

Wenn jetzt die Kraftstoffpreise sinken, ist eine erneute Verteuerung nur eine Frage der Zeit. Politik und Verwaltung täten daher gut daran, baldmöglichst mit vernünftigen Regeln dafür zu sorgen, dass die Güterproduktion verbrauchernah geschieht. Dies würde die Umwelt weniger belasten, Ressourcen schonen und den Straßenverkehr verringern. Schlussendliche Konsequenz wäre ein verringerter Bedarf an Fernstraßen. Derzeit ist der Bau einer B26n keine Antwort auf die Probleme der Zeit!

„Güter auf die Bahn!“ ist nicht nur ein Argument von Bahnlobbyisten.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee ist zu loben für seine Forderung an die Bundesbahn, den Zuglärm wirksam zu bekämpfen. Anfang September 2008 betonte er gegenüber der Main-Post, dass sein Haus die Bundesmittel für den Lärmschutz auf 100 Millionen Euro je Jahr verdoppeln will. Damit könnte die Bahn mehr Güter transportieren ohne die Anwohner stärker zu belästigen und der Gütertransport über die Fernstraßen würde abnehmen. Ein Bau der B26n wäre überflüssig.

Mit „Yes we can!“ ist ein ursprünglich aussichtsloser Kandidat amerikanischer Präsident geworden. Auch wenn bayerische Bürgerinitiativen keine derart griffigen Slogans benutzen, gelingt es ihnen doch, den Bürgerwillen gegen die Politik durchzusetzen. Beste Beispiele dafür sind die Verhinderung der atomaren Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf, des Transrapid und anderer wenig sinnvoller Maßnahmen. Die von der Westumgehung Würzburgs (beschönigend B26n genannt) betroffenen Bürger werden sich mit ihrer Wählerstimme bei der Bundestagswahl des Jahres 2009 auch gegen dieses unsinnige Bauvorhaben zur Wehr zu setzen wissen.

Der Erfolg der deutschen Wirtschaft liegt keineswegs ausschließlich an der Nähe zu einer Autobahnauffahrt. Innovative Unternehmen beweisen dies. Eine Infrastrukturpolitik, die im großen Stil auf Straßenneubau setzt, verfehlt volkswirtschaftliche Ziele und richtet mehr Schaden an als sie nützt. Zugleich ist es sinnlos, immer noch mehr Straßen zu bauen, solange die Zukunft des motorisierten Straßenverkehrs ungewiss bleibt. Viel wichtiger für Industrie, Gewerbe, Handel und Verwaltung sind gute Ideen, die von gut ausgebildeten Mitarbeitern kommen. Das beim Fernstraßenneubau eingesparte Geld würde besser in der Ausbildung der nachwachsenden Generation investiert. Es würde der gesamten Nation Nutzen bringen.

 

Wer als Politikerin und als Politiker der Nation nützen will, muss Geld in die Bildung stecken. Denn im Vergleich zu den übrigen Industrieländern der Erde rangiert Deutschland bei den Bildungsausgaben im unteren Drittel. Selbst das zu den ärmsten EU-Ländern zählende Bulgarien hat in diversen Altergruppen mehr wissenschaftlich qualifizierte Fachkräfte als Deutschland. Deutschland hat stattdessen das dichteste Straßennetz der Welt – und einige seiner Politiker wollen noch mehr davon, gegen den Willen der Wähler.

2010 werden die Erdöl-Fördermengen ihren Höhepunkt überschreiten. Danach geht es nur noch bergab, verbunden mit einem unausweichlichen Anstieg der Kraftstoffpreise. Zeitgenossen, die auf Biosprit hoffen, berücksichtigen nicht, dass dieser teuer sein und seine Produktion Lebensmittel verknappen sowie CO2-speichernde Urwälder vernichten wird. Keine Idee hat so schnell an Glaubwürdigkeit verloren wie die Hoffnung auf Biotreibstoffe. Die Menschheit muss sich damit abfinden, dass die individuelle Mobilität abnimmt und ein Fernstraßenneubau überflüssig wird.

Deutschlandweit werden Autobahnen alterschwach. Die Folge sind jahrelange unfallträchtige Baustellen mit ärgerlichen Behinderungen. Wäre es da nicht sinnvoller, lieber etwas teureres, aber dafür länger haltbares Material zu verwenden? Zumindest für die Fahrbahnoberflächen wüsste die Bundesanstalt für Straßenwesen schnellen Rat: Sie hat vor Jahresfrist einen Belag getestet, der auch nach 30 Jahren noch keine Verschleißerscheinungen zeigt. Er ist allerdings auch 30 Prozent teuerer. Berücksichtigt man aber die mit Baustellen verbundenen Nachteile und Gefahren, würde sich die höherwertige Lösung durchaus lohnen. Der Verkehr bliebe flüssiger und parallel führende Autobahnen, wie zum Beispiel die geplante B26n, ließen sich einsparen.

Vertreter und Lobbyisten der Wirtschaft fordern von Politikerinnen und Politikern mehr Autobahnen, um ihre Produkte schneller in den Markt zu bringen. Dann würde sich die Beschäftigungssituation in ihrer Region verbessern. Dass dies nicht stimmt, dafür ist die nordbayerische Stadt Hof beredtes Beispiel: Sie ist von Autobahnen umzingelt und hat trotzdem die höchste Arbeitslosenquote im Freistaat. Für die Region Main-Spessart wären Ortsumgehungen und ein besseres öffentliches Nahverkehrskonzept viel effektiver als eine B26n, die den Transitverkehr fördert, aber der Region außer Umweltzerstörung nichts bringt.

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club fordert in der Ausgabe 12/2008 seiner Mitgliederzeitschrift „Motorwelt“ den Aus- und Neubau eines runden Dutzends Autobahnstrecken. Die B26n findet sich nicht darunter. Dies ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass der weltweit größte Interessenvertreter der Autofahrer die Würzburger Westumgehung nicht als wichtiges Bindeglied im deutschen Fernstraßennetz betrachtet.